Auszüge aus dem Buch
  
             AFRIKA in Wort und Bild 
mit besonderer Berücksichtigung der evangelischen Missionsarbeit 

Auszüge aus dem gleichnamigen Buch Seite 42 bis 57
Herausgeber und Verleger:  Calwer Verlagsverein 1904
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Geschichte der Erforschung Afrikas

In alter Zeit bildete die Landenge von Suez eine Art Brücke, auf der dei Völker von Asien und Afrika kamen. Von hier aus wurde wahrscheinlich das Niltal durch die Ägypter besiedelt. Auch die Araber haben diesen Weg genommen, während die Phönizier zu Schiffe den Norden Afrika besuchten. Die Indier besiedelten die Insel Sokotra, und die Hebräer befuhren dei Küsten des Roten Meeres, die Karthager dei Nord- und Westküste Afrikas. Aber die vielleicht ziemlich ausgebreiteten Kenntnisse, die diese Völker von verschiedenen Teilen Afrikas erwarben, sind leider der Nachwelt verloren gegangen. 

Ums Jahr 460 v. Chr. hat Herodot Ägypten und Kyrene bereist und dann was er auf seiner Reise gesehen und über das sonstige Afrika gehört hat, in seinem Geschichtswerk verwertet. Auch der große Geograph Strabo (1. Jahrhundert v. Chr.) hat einen teil von Afrika persönlich kennen gelernt. Die Römer hatten in Afrika eine blühende Provinz, und die christliche Kirche, die dort gegründet wurde, hat die Verfolgungszeiten überstanden. Aber die Christenheit des Mittelalters hat sich nicht um Afrika gekümmert, und es geriet allmählich in Vergessenheit. So konnten nach dem Verfall des römischen Reichs die mohammedanischen Araber und Türken ungehindert durch die offene Türe bei Suez eindringen, Nord- und Ostafrika überfluten und mit Feuer und Schwert den Islam verbreiten. An der Ostküste gelangten sie über den südlichen Wendekreis bis zum Kap Corrientes, und ihre Niederlassungen blühten, bis die Portugiesen erobernd nach Afrika kamen. Im Westen gelangten die Araber dauernd nur bis zum Kap Nun, gegenüber den Kanarischen Inseln, im Innern ungefähr bis zum achten Grad nördlicher Breite. Die Sahara und den Sudan haben sie ganz dem Islam unterworfen. Die arabischen Reiche sind teilweise wieder untergegangen, aber einige, wie Bornu, Bagirmi, Wadai, Sokoto u.s.w., bestehen heute noch.

Erst gegen Ende des Mittelalters fingen auch die europäischen Völker wieder an, sich um Afrika zu kümmern. Im 13. Jahrhundert besuchte Marco Polo die Küste von Ostafrika, und der Tätigkeit der italienischen Republiken Venedig und Genua verdankt man Karten von Afrika aus dem 14. und 15. Jahrhundert. 

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts machten die Portugiesen, später besonders auf Anregung des Infanten Heinrich des Seefahrers, ihre großen afrikanischen Entdeckungen. Sie suchten einen Strom, auf dem man ostwärts nach Indien fahren könnte, und entdeckten so den Senegal. Dann umschifften sie das Grüne Vorgebirge, kamen an den Kongo und fanden die Walfischbai. Im Jahre 1487 umschiffte Bartolomeo Diaz das Kap der guten Hoffnung, und zehn Jahre später entdeckte Vasco de Gama den Seeweg nach Ostindien. So waren also am Ende des 15 Jahrhunderts die Küsten Afrikas beinahe vollständig bekannt.

Im 17. Jahrhundert fing die katholische Kirche an, Missionare nach Afrika zu senden, durch deren Reisen die Kenntnis des Landes erweitert wurde; auch begann man um diese Zeit wissenschaftliche Reisen nach Afrika zu veranstalten. Damals machte der große Kurfürst, dessen Gedanken seiner Zeit weit vorauseilten, den Versuch, in Afrika festen Fuß zu fassen. Er gründete im Jahre 1682 an der Küste von Guinea die brandenburgische Handelskolonie Groß - Friedrichsburg. Das Unternehmen gedieh aber nicht, und die Kolonie ging nach kurzem Bestand wieder verloren. Allerlei Reisewerke über Afrika, in denen freilich Wahres mit Falschem gemischt war, entstanden im 17. und 18. Jahrhundert.

Einen Wendepunkt bezeichnet das Jahr 1788. In diesem Jahre wurde in London die "Gesellschaft für Beförderung der Entdeckung der inneren Teile Afrikas" gegründet. Die Gesellschaft hatte zunächst wissenschaftliche Zwecke, verfolgt aber auch den Plan, dem englischen Handel neue Absatzgebiete zu eröffnen. Damit kam Methode und Zusammenhang in die afrikanischen Reisen. Zunächst schickte die Gesellschaft Forschungsreisende aus, die dem Lauf des Niger nachspüren sollten. Einer der erfolgreichsten war der Schotte Mungo Park, dem es, nachdem andere teils unverrichteter Sache zurückgekehrt, teils unterwegs dem Klima erlegen waren, gelang, vom Gambia, also vom Westen aus, den Niger zu erreichen und auch wieder wohlbehalten zurückzukehren. Seine Reise hatte drei Jahre, von 1795 - 1797, gedauert. Obgleich die Quellen des Niger erst 1879 entdeckt wurden, so war doch schon nach den Reisen Landers, 1830, der Lauf des Stromes der Hauptsache nach festgestellt. Sein Mündungsgebiet ist mit dichtem Urwald bewachsen. Er hat eine Länge von 4160 Kilometer und ist der Hauptstrom Mittelafrikas. Den wichtigsten Nebenfluß des Niger, den von Osten kommenden, im Innern des Hochsudan entspringenden Benue und dessen Hinterländer hat der deutsche Reisende Flegel von 1879 - 1885 genauer erforscht. Seit vom Jahre 1840 an die Franzosen Algier zu erobern begannen, hatten die Forschungsreisenden einen Stützpunkt in Nordafrika, und verschiedene Engländer benutzten dies, um weiter ins Innere einzudringen; doch gelangten sie noch nicht bis in den Sudan.

Eines der ersten afrikanischen Länder, das wissenschaftlich erforscht wurde, ist Abessinien, wo nicht nur von 1634 an bis etwa 1654 der Lübecker Jurist Heiling als Missionar wirkte, sondern wohin auch im Jahre 1770 eine Forschungsreise unternommen wurde. 

Die Versuche, den Nil bis zu seinen Quellen zu verfolgen, waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreich, und wenn auch zunächst die Entdeckung seines Ursprung nicht gelang, so kam man doch bis zum vierten Grad nördlicher Breite. Mehmed Ali, der von 1805 - 1848 Statthalter von Ägypten war, hat bei Gelegenheit seiner Eroberungszüge manches für die Erforschung des Nils getan. 

In Südafrika war das Kapland zuerst von Holländern besiedelt worden, dann wurde es von England erobert; infolge dieser Eroberung zogen dei Holländer, richtiger dei Buren, immer weiter nordwärts, und dadurch wurden neue Gebiete erschlossen. Einzelne Reisende und Jäger machten von Süden aus Vorstöße ins Innere, und Missionar Moffat drang bis ins Betschuanenland vor. Auch die Ostküste wurde bereist, und im Jahre 1848 haben zwei deutsche Missionare, Krapf und Rebmann (im Dienste der englisch- kirchlichen Missionsgesellschaft) zuerst den Kilima-ndscharo und den Kenia gesehen und Erkundigungen über den großen See im Innern eingezogen. 

Für die Erforschung von Nordafrika war ums Jahr 1848 schon sehr viel getan. Die Atlasländer waren mehr oder weniger bekannt; man wusste unter anderem auch von zwei großen Wegen durch die Wüste. Der eine geht von Tasilet (eine Oase in Marokko) nach Timbuktu am Niger, da wo dieser Strom den Küstensaum erreicht und anfängt, eine Strecke weit ziemlich genau nach Osten zu fließen, ehe er die Biegung nach Südosten macht; der andere von Mursuk, dem Hauptort der Oase Fezzan in Tripolis, bis Kuka (der Hauptstadt von Bornu, am Tsadsee). Senegambien, das Land zwischen Senegal und Gambia und Niger, war erforscht und der Niger befahren. Der Senegal und der Gambia entspringen beide im Hochsudan und münden an der Westküste, der Senegal nördlich, der Gambia südlich vom Grünen Vorgebirge. In Nordguinea kannte man nicht nur die Küste, sondern auch Teile des Hinterlandes. Südafrika war bekannt bis zum Limpopo und Kunene, und in Ostafrika hat man die Bergriesen Kilima-Ndscharo und Kenia wenigstens von ferne gesehen. 

Mit dem Jahre 1849 beginnt wieder eine neue Periode der Afrikaforschung. Soweit es sich um Nordafrika handelt, knüpft sie sich besonders an die Namen der deutschen Reisenden Heinrich Barth (geb. in Hamburg 1821, Gest. in Berlin 1865), Gerhard Rohlfs (geb. 1831, gest. 1896) und Gustav Nachtigal (geb. 1834, gest. 1885 bei Kap Palmas an der Küste von Liberia). Barth hat auf seiner sechsjährigen Reise von 1849 - 1855 den westlichen Sudan aufs gründlichste erforscht und dessen Topographie sowie die der Sahara begründet. Was Barth für den westlichen, das hat Nachtigal auf einer sechsjährigen Reise (1869 - 1874) auch für den östlichen Sudan geleistet. Es gelang ihm sogar, was noch keinem Europäer geglückt war, bis nach Wadai, einem Negerreich im mittleren Sudan, zu kommen. Zwei andere Reisende, Eduard Vogel und Noritz von Beurmann, hatten ihren Versuch, in Wadai einzudringen, mit dem Leben bezahlt. Vogel wurde 1856 auf Befehl des Sultans von Wadai getötet, Beurmann fiel im Jahre 1863 in Mao, östlich von Tsadsee, durch Mörderhand. Rohlfs hat auf mehreren großen Reisen Nordafrika und den Sudan in verschiedenen Richtungen durchzogen und einige vorher nie von Europäern betretene Oasen der Sahara besucht. Er galt für den besten Kenner Nordafrikas. 

Heinrich Barth ist der erste Deutsch, der Afrika wissenschaftlich bereist hat. Seit er als Student auf einer Ferienreise von Sizilien aus am fernen Horizont die afrikanische Küste erblickt hat, ging seine Sehnsucht dahin, Afrika kennen zu lernen. Im Jahr 1845 trat er, durch wissenschaftliche Studien gut vorbereitet, seine erste Reise nach Nordafrika an. Er war damals benötigt, sich in der Nähe des Meeres zuhalten, denn das Land war infolge von Abdel Kaders Aufstand gegen die Franzosen sehr unruhig und ein Vordringen nach Süden zu gefährlich. Aber auch in der Nähe der Küste war Barth in großer Lebensgefahr. Er hatte eine kleine Kamelkarawane, zwei Führer und einige Diener. Einmal wurde die kleine Karawane zwei Tage lang von bewaffneten Reitern verfolgt- zuerst waren es drei, aber allmählich stießen noch vier dazu - die sich unter allerhand Vorwänden und Betteleien immer wieder herbeidrängten und auf Gelegenheit lauerten, Barth hinterlistig zu töten, um ihn berauben zu können. Barth konnte nachts kein Auge zutun, sondern saß mit gespannter Pistole in seinem Zelt. Endlich hieß es, die Räuber seien fortgeritten, und todmüde sank Barth in Schlaf. Aber sie hatten sich nur zum Schein entfernt und überfielen jetzt den Schlafenden. Barth und seine Diener wehrten sich, und es gab Verwundungen auf beiden Seiten. Endlich zog die Karawane, nachdem Barth seine Wunde etwas verbunden hatte, weiter; aber bald erschienen die Räuber wieder, und der Kampf begann noch einmal. Mit dem Säbel in der Faust warf sich Barth unter die Räuber, da trafen ihn zwei Steine im Nachen und er sank zu Boden. Seine Leute waren teils geflohen, teils kampfunfähig, und die Räuber jagten mit den Kamelen und Pferden und aller Habe Barths davon. Leider waren unter dem Raub auch seine sorgfältig geführten Tagebücher. Verwundet, ohne Wasser und Lebensmittel, war Bart ganz verlassen in der Wüste. Zum Glück waren zwei leere Kamele stehen geblieben. Auf einem derselben gelangte er zu einem armen Beduinenstamm, wo er aufgenommen wurde und sich kümmerlich von etwas erbetteltem Mehl und Hanfsamen nährte. Endlich fand er Führer, denen er versprach, sie in Alexandrien, das nicht mehr fern war, zu bezahlen. Mit noch nicht geheilten Wunden, in zerlumpter arabischer Kleidung trat er in einen europäischen Gasthof. Hier wurde für ihn gesorgt, seine Wunden heilten, und er bekam Geld aus der Heimat. Sein Mut war nicht gebrochen. Er bereiste jetzt den Nil, das Rote Meer, Arabien, das Heilige Land, Kleinasien und dei griechischen Inseln, und kehrte dann nach Deutschland zurück. 

Jene erste Reise war nur die Vorbereitung zu Barths epochemachender Expedition in den Sudan. Im Jahr 1849 schickte sich der Engländer Richardson an, die Sahara zu bereisen. Man wollte von England aus den Sudan dem europäischen Handel erschließen und bei dieser Gelegenheit auch dem Sklavenhandel zu Leibe gehen. Als Naturforscher ging der Deutsche Overweg, dem König Friedrich Wilhelm IV. die Mittel zur Reise gab, mit, und Overweg veranlasste Barth, sich anzuschließen. Dieser machte die Reise ganz aus eigenen Mitteln. 

In Tripolis, da wo der Wüstensand bis an dei Küste reicht, betraten die Reisenden die Wüste. Die Oase Fezzan ist von einem breiten Wüstengürtel umgeben. "Eine entsetzliche Nacktheit kennzeichnet diese Wüste; kein Tropfen Wasser fließt; keine Pflanze grünt in ihr; kaum einen Brunnen findet man. Ein ewig blauer Himmel, an dem die glühende Sonne jedes feuchte Wölkchen verzehrt, liegt hier schwer über der öden, traurigen Landschaft, in der der wie von Todesfurcht gejagte Mensch nur dann und wann als das fast einzige lebende Wesen auftritt." Am 39. Tag der Reise kam die Gesellschaft in Mursuk, dem Hauptort der Oase, an. Von da aus ging´s in westlicher Richtung nach Rhat. Dort sieht man in der Ferne eine wilde, zerrissene Bergkette, die mach dem Glauben des Volks eine von bösen Geistern bewohnte Burg ist, der sich niemand zu nähern wagt. Barth und Overweg machten sich dahin auf den Weg. Als Overweg, den die Kräfte verließen, umkehren musste, ging Barth allein weiter und gelangte bis zu dem angeblichen Teufelsschloss, das aber nur aus Felsen und Klippen bestand. Er bekam einen heftigen Fieberanfall und brachte ganz allein eine fürchterliche Nacht zu. Am Morgen fand ihn ein Reiter, der ihm Wasser gab und ihn zurückbrachte. 

Auf der Weiterreise wurde die Karawane von Räubern überfallen, deren man sich nur durch Bezahlung eines hohen Lösegeldes erwehren konnte. Die Karawane zog nun immer weiter nach Süden, und in Tadschelel trennten sich die Reisenden im Januar 1851, um jeder für sich Bornu zu durchforschen. Richardson stark schon im März desselben Jahres. Overweg und Barth trafen sich wieder in der Nähe des Tsadsees, beide in großer Geldverlegenheit. Der Tsadsee nimmt verschiedene große Ströme auf, hat aber keinen Abfluss. Er verändert seinen Wasserstand fortwährend, und infolge davon ist die Gegend oft sumpfig und sehr ungesund. 

Barth machte nun Kuka, dei Hauptstadt Bornus, zu seinem Hauptquartier und erforschte von da aus die Länder südlich und nördlich vom Tsadsee. Bei einer dieser Reisen entdeckte er den Benne. Als er einmal, ziemlich geschwächt vom Fieber, wieder nach Kuka kam, fand er dort Briefe aus der Heimat und für 200 Mark Waren, die man ihm nachgeschickt hatte. Die Waren werden aber in jenen Ländern oft nicht mit Geld, sondern mit Sklaven bezahlt; da Barth doch kein Sklavenhändler werden wollte, musste er vieles unter dem Wert hergeben und kam so bald wieder in Not. Um noch ein südlich vom Tsadsee gelegenes land kennen zu lernen, schlossen sich die Reisenden dem Sultan von Bornu an, der auf eine Sklavenjagd auszog. Sie bemühten sich während der Reise vergeblich, ihn von seinem schändlichen Plan abzubringen. So wurden sie Zeugen unerhörter Greulszenen. 3000 Sklaven, meistens Freuen und Kinder, schleppten die Schua - so heißen die Bewohner von Bornu - mit heim. Die Männer des Negerstammes, den sie überfallen hatten, waren meistens hingeschlachtet worden. 

Im März 1852 brach Barth allein, nur von zwei Dienern begleitet, nach Bagirmi auf. Diese Reise war besonders gefährlich, da man damals dort alle Fremden für Spione hielt. Man wollte ihn gar nicht über den Grenzfluss, den Schari, lassen, und als er glücklich drüben war, wurde er einmal plötzlich überfallen und in Ketten gelegt. Mehrere Tage lag er so in seinem Zelt, dann auf einmal ließ man ihn frei und gab ihm auch die Sachen wieder, die man ihm genommen hatte. einmal machte er sich durch seine Wetterbeobachtungen verdächtig, und der Statthalter ließ ihn fragen, ob es wahr sein, dass er den Wolken verbiete, zu regnen. Als Barth antwortete, das könne nur Gott, war der Statthalter beschämt und sandte ihm Lebensmittel. 

So war Barth in Bagirmi, aber nun konnte er nicht wieder heraus, man ließ ihn nicht fort; er musste warten, bis der Sultan von einer Sklavenjagd heimkehrte. Dieser hatte allerhand Merkwürdiges über Barth gehört. Man nannte ihn den Nabelprinz, weil er Nähnadeln zu verschenken hatte, oder den "Vater der Drei", weil der merkwürdige Mann in dem Lande, wo alles barfuss ging, nicht zur Schuhe und Strümpfe, sondern auch noch Überschuhe trug. Der Sultan war freundlich, ließ Barth ziehen und gab ihm sogar ein Abschiedsgeschenk in Gestalt von 50 Hemden. Barth kehrte nach Kaka zurück, wo er wieder Briefe und Hilfsmittel fand. Seinen Reisegefährten aber traf er sich krank und musste ihn bald darauf sterben sehen. 

Barth hatte nun den Plan, die Länder der Fulbe und Fellata zu bereisen, der Völker, die sich durch hellere Farbe, schlankere Gestalten und eigene Sprache von den eigentlichen Negern unterscheiden. Sie sind tatkräftige, begabte Menschen und dabei fanatische Mohammedaner. Seit dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts drangen sie erobernd vor, verbreiteten den Islam und die mohammedanische Zivilisation und gründeten mehrer Staaten, wie Sokota, das jetzt unter französischem Schutz stehende Futa Dschallon, Futa Toron, Massina. Die Zahl der Fulbe beträgt 6 - 8 Millionen. 

Immer nach Westen reisend durchzog Barth verschiedene dieser Staaten, und im Juni 1853 erreichte er endlich Day, eine Stadt am rechten Ufer des Niger. An dem Strom abwärts ziehend, kam er nach Timbuktu. Hätten die Bewohner gewusst, daß Barth ein Christ sei, er wäre nicht lebend in die Stadt gekommen. Zum Glück gewann er einen Freund und Beschützer an dem edlen Araber Scheikh El Bakay, dem geistlichen Oberhaupt der Stadt. Dieser nahm ihn in sein Haus auf und beschützte ihn gegen die fanatischen Einwohner, die dem Christen nach dem Leben trachteten. Barth konnte sich nie auf den Straßen sehen lassen und nur von der Terrasse des Hauses aus zuweilen die Stadt und das Treiben darin beobachten. Vor Barth waren nur zwei Europäer, ein Engländer und ein Franzose, nach Timbuktu gekommen und der Engländer, Major Laing, war unter den Händen eines Meuchelmörders gefallen. Timbuktu liegt 10Kilometer nördlich vom Niger. (Die Hafenstadt, die am Strome selbst liegt, heißt Kabara.) Es hat 20 000 Einwohner und ist eine altberühmte Handelsstadt, der Zielpunkt der Sudan- und Marokkokarawanen. Oft strömen zehntausend Fremde hier zusammen. Die Handelsartikel sind: Gold, Salz, Kolanüsse, Gummi und Elfenbein. Die Stadt wurde um 1100 von den Tuareg gegründet. Sie liegt in dem jetzt französischen Teil des Sudans und wurde 1893 von den Franzosen besetzt. Barth konnte in Timbuktu keine Nacht ruhig schlafen und einmal erkrankte er infolge einer Vergiftung. Endlich gelang es El Bakay, ihn aus der Stadt zu bringen. Der wackere Scheikh begleitete ihn nigerabwärts bis Gogo am Niger, der jetzt verfallenen Hauptstadt des einstigen Sonrhaireiches. (Die Sonrhai sind ein durch die Fulbe besiegtes und unterjochtes Negervolk.) Während der Reise erforschte Barth den Lauf des mittleren Niger. Nach dem Abschied von seinem Freunde zog er auf seiner alten Straße weiter. Einmal war er mit seinem Diener etwas vorausgeritten, als er plötzlich einen Mann auf sich zukommen sah, an dessen weißer Gesichtsfarbe er glich merkte, dass er eigentlich nicht in die orientalische Kleidung gehörte. Es war Dr. Vogel, den man aus Deutschland gesandt hatte, um Barth aufzusuchen und zu unterstützen. Vogel war schon in Bornau gewesen und hatte dort gehört, Barth sei gestorben, und diese Nachricht hatte sich dann auch in Europa verbreitet. Sie konnten jetzt nur kurze Zeit beieinander sein, da Vogel schon einen andern Reiseplan hatte, aber im Januar 1855 trafen sie in Kuka noch einmal zusammen. Endlich am 9. Mai verließ Barth Bornu und man durchreiste zum letztenmal die Wüste. Ende Juli kam er nach Tripolis. Als er der Stadt nahte, wo er sich am Ende seiner Gefahren hoffen konnte, und als er zum erstenmal wieder das Meer erblickte, da fühlte er sein Herz so voll von Dankbarkeit, dass es ihm war, als müsste er vom Pferde steigen und am Meeresufer Gott für seine Errettung danken. Er eilte nach Europa und wurde im Vaterland mit Freuden aufgenommen und reich geehrt. Er schrieb nun sein großes Werk "Reisenund Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika während der Jahre 1849 - 1855", ein Werk, das die Grundlage für die Kanntnis des westlichen Sudans bildet. - Barth wurde später Professor an der Berliner Universität, als Nachfolger des großen Geographen Ritter, dessen begeisterter Schüler er einst gewesen war. Er hat auch später noch größere Reisen gemacht, aber den afrikanischen Boden hat er nicht wieder betreten. Seine Verdienste um Erd- und Völkerkunde sind ungeheuer. Als Moritz von Beurmann ausgesandt wurde, um Vogel aufzusuchen, machte Barth ihm den Reiseplan, und den Reisenden von der Decken, der in Ostafrika reiste, unterstützte er mit Rat und Tat. Auch von der Decken ist wie Beurmann durch Mörderhand gefallen. Barth starb nach kurzer Krankheit, erst 44 Jahre alt, am 25. November 1865.

Eine Frage, die die Wissenschaft besonders beschäftigte, war die des Oberlaufs und der Quellen des Nil. Unter den Erforschern jener Gebiete ist besonders Georg Schweinfurth (geb. 1836) zu nennen, der zwar nicht nach den Nilquellen selbst suchte, aber bei einer Reise, die er 1869 antrat, bis tief ins Herz von Afrika kam, und - allerdings ohne es zu wissen - die Wasserscheide zwischen Nil und Kongo überschritt. Er durchreiste die Länder der Schilluk,der Kinka und anderer Negerstämme, drang ins Land der Niam-Niam und - als erster Europäer - ins Land der Manguttu. Die Niam-Niam und die Mangbuttu lernte er als arge Menschenfresser kennen. obgleich sie sonst nicht zu den niedrigsten stehenden Negerstämmen gehören. Sowohl die Niam-Niam als die Mangbuttu sind ziemlich hellfarbig. Beide Völker treiben Ackerbau und sind sehr geschickt in der Verfertigung von Geräten und Waffen, verstehen sich auch auf die Bearbeitung des Eisens. 

In dem oberen Nilgebiet zwischen dem Albertsee und dem ägyptischen Sudan lernte Schweinfurth eine Anzahl von dunkelfarbigen Stämmen kennen, die den echten Negern sehr ähnlich sind. Dahin gehören z.B. die Dinka, die Schilluk, die Nuer usw. jene Gegenden waren damals sehr stark bevölkert, sind aber seither durch die Raubzüge der Chartumer Sklavenhändler verwüstet worden. Dei Obernilstämme betreiben Ackerbau, Viehzucht, Jagt und Fischfang. 

Doch kehren wir wieder zu der Erforschung des Nils zurück. Die Entdeckung seines Ursprungs knüpft sich an die Namen der englischen Reisenden Burton, Speke, Grant und Baker. Burton und Speke traten im Juni 1858 von Sansibar aus eine Reise nach Innerafrika an, bei der sie 1858 den Tanganjikasee entdeckten. Als Burton seiner Gesundheit wegen umkehren musste, ging Speke allein weiter und erreichte das Südufer des Uferewe- oder Viktoriasees, den er schon damals für die Hauptquelle des Nil erklärte. Damit war auch festgestellt, dass der aus dem Viktoriasee fließende Weiße Nil der Hauptstrom ist. Es mußte jetzt nur noch die Stelle, wo der Nil aus dem See tritt, gesucht und sein Lauf bis 3Grad 34 Minuten nördlicher Breite festgestellt werden. So weit war nämlich inzwischen der Reisende Miani gekommen. Diese Aufgabe löste Speke auf einer Reise, die er mit Grant 1860 antrat. Grant begab sich dann nach Uganda und weiter nordwärts, während Speke im Juli 1862 auf den Nil stieß und ihn bis zu seinem Austritt aus dem Viktoriasee verfolgte. Im Jahre 1894 entdeckte Samuel Baker den Albertsee, den zweien Quellsee des Nil. Damit war das alte Rätsel gelöst.

Im Jahre 1849 tritt in die Reihe der Forschungsreisenden der Missionar David Livingstone. Er hat seine großen Reisen ganz für die Sache der Mission gemacht, hat aber als einer der ersten Kenner des Landes und Volkes von Afrika auch der Wissenschaft unschätzbare Dienste geleistet. Von seiner Station Kolobeng am Limpopo aus drang er im Jahr 1849 nordwärts ins Innere vor und entdeckte den Ngamisee. In den Jahren 1851 . 1856 fand er dann auf verschiedenen Reisen zuerst den Liambai, d.h. den oberen Sambesi, dem er stromaufwärts bis zur Grenze der Schiffbarkeit folgte. Dann zog er zu Lande weiter bis an dei Quellflüsse des Kassai, eines Nebenflusses des Kongo. Immer westwärts reisend, erreichte er Ende Mai 1854 Loanda an der Westküste. Nun beschloss er auf dem gleichen Weg zurückzukehren. Er folgte dem Lauf des Sambesi abwärts, entdeckte die Viktoriafälle und erreichte im Mai 1856 Quilimane an der Ostküste. So war der Sambesi entdeckt und zum erstenmal Afrika von Westen nach Osten von einem Manne der Wissenschaft durchreist worden. Die Entdeckungen Livingstones lenkten die Blicke der Forscher nach Südafrika und zogen eine Reihe von weiteren Reisen nach sich. So wurde der Kunene erforscht und sein Lauf festgestellt. Livingstone selbst berichtigte und vervollständigte auf einer zweiten Reise die ansichten über den Lauf des Sambesi. Von diesem Strom aber führte der Weg nordwärts in das Seengebiet. Schon 1858 zog Livingstone mit einigen Begleitern den Schire, einen nördlichen Nebenfluss des Sambesi, hinauf und entdeckte 1859 zuerst den Schirwa- und dann den Njassasee. Auch in den Jahren 1861, 1863 und 1866 besuchte er diesen See, der schon 1868 von einem Dampfer befahren wurde. 

So wurden der Reihe nach die Stromgebiete des Nigers, des Nils und des Sambesi erforscht, aber der gewaltigste Strom Afrikas, der Kongo, harrte noch seines Entdeckers. Die Mündung deshalben zwar hatten schon im 15. Jahrhundert die Portugiesen befahren, und verschiedene Reisende, so auch Livingstone, kamen an seine Quellflüsse, aber von seinem Lauf kannte man nur die unterste Strecke. Livingstone war bei seinen Reisen 1868 und 1869, auf denen er den Moero- und den Bangweolosee entdeckte, an den Luapula gekommen und hatte die Vermutung ausgesprochen, dass dies der Quellstrom des Kongo sei. Dann verging Jahr und Tag, ohne dass man von ihm hörte, und da man um sein Schicksal besorgt war, gab der Besitzer des "New York Herald", Gordon Bennett, Stanley den Auftrag, Livingstone aufzusuchen. Henry Morton Stanley (geb. 1840 in Wales) zog 1871 von Sansibar ins Innere.

Fast hätte diese Reise mit seinem Untergang geendet. Er ließ sich verleiten, mit den arabischen Einwohnern von Unjanjembe an einem Kriegszug teilzunehmen, seine Partei wurde aber geschlagen und er selbst nur durch die Treue seines arabischen Dieners gerettet. Die Reise in jenen Gegenden östlich von Tanganjikasee war überhaupt gefährlich wegen der Araber, die bis jetzt hier allein Handel getrieben hatten und keinen Wettbewerb begehrten; die auch außerdem fürchteten, ihr schändliches Gewerbe, der Sklavenfang und -handel, könnte ihnen gelegen werden, wenn Europäer in die Gegend kämen. Sie verschuldeten es, dass Stanley von allen seinen Trägern und Führern verlassen wurde. Doch gelang es ihm, sich neue Leute zu verschaffen, und endlich langte er in Udschidschi am Tanganjikasee an. Unterwegs schon hatte er Livingstones Diener getroffen und von ihm erfahren, dass sein Herr noch in Udschidschi sein. Um auf die Eingeborenen einen achtungsgebietenden Eindruck zu machen, gestaltete Stanley seinen Einzug möglichst prunkvoll. Das Volk strömte in Scharen heraus, um den Fremdling zu sehen. Da gewahrte er unter einer Gruppe von Arabern einen blass aussehenden, weißen Mann mit grauem Bart, der sich auch durch seinen Anzug von den andern unterschied. Das konnte niemand anders als Livingstone sein, und Stanley wollte schon auf ihn zueilen und ihn umarmen, als ihm noch im rechten Augenblick einfiel, dass die umstehenden Araber einen solchen Gefühlsausbruch für höchst würdelos halten würden. So schritt er stolz und würdevoll auf Livingstone zu, zo den Hut und sagte: " Dr. Livingstone, nicht wahr?" und ebenso höflich antwortete dieser mit einem einfachen "Ja". Erst ein paar Stunden später, als die beiden Männer einen waren, konnten sie sich ungehemmt der Freude dieses Zusammentreffens hingeben. 

Sie reisten dann miteinander um den See und nahmen ihn auf. Livingstone machte nun noch neue Nachforschungen auf der Wasserscheide zwischen Nil und Kongo, denn er hatte sich überzeugt, dass die von ihm entdeckten Flüsse Luagula und Lualaba dem Kongosystem angehören mussten. Am 1. Mai 1875 fanden ihn seine treuen Diener am Bette kniend - tot. Es war in Tschitambos Dorf Jlala am Bangweolosee.

Noch immer war die Kongofrage nicht gelöst. Livingstone und ebenso ein anderer Engländer, Cameron, hatten versucht, von Njangwe am Lualaba aus stromabwärts zu fahren und so den Zusammenhang mit dm Kongo festzustellen, aber dei Versuche scheiterten an dem Widerstand der arabischen Sklavenhändler in jener Gegend. Diese Frage zu lösen war Stanley vorbehalten. Nachdem er 1875 den Viktoriasee erforscht hatte, reiste er weiter ins Innere, erreichte Njangwe und setzte es durch, dass ihm der Sklavenhändler Tuppu-Tipp Kähne zur Weiterreise lieferte. Der Kongo ist wegen seiner Stromschnellen schwer zu befahren; zu den bedeutendsten dieser Stromschnellen gehören die sogenannten Stanleyfälle am Äquator und die Jellalafälle am Unterlaufe des Stromes. Stanley fuhr unter ungeheuren Schwierigkeiten auf dem Lualaba, der sich als ein Quellfluß des Kongo erwies, und weiter auf dem Kongo selbst stromabwärts und erreichte im August 1877 Boma am Unterlaufe des Stromes. Jetzt erst waren die einzelnen Forschungsergebnisse zu einem Ganzen zusammengefügt; man übersah nun erst das ungeheure Stromsystem des Kongo und sein Verhältnis zu dem des Nils. Von den anderen Reisen Stanleys ist am bekanntesten die, dei er zur Aussuchung Emin Paschas machte. Der Kongo nimmt, nachdem er schon ein Stück weit südwärts geströmt ist, von Osten her einen bedeutenden Nebenfluß, den Uruwimi oder Jturi auf. Da der Uruwimi in ziemlich gerader Richtung von Osten nach Westen strömt, unternahm es Stanley, an diesem Strom aufwärts nach Osten vorzudringen. Er hat diese Reise durch den fürchterlichen Urwald in seinem Buch "Im dunkelsten Afrika" geschildert. Abgesehen von der Mühsal des Wegs haben Stanley und seine Begleiter auf dieser Reise ganz besonders durch Hunger gelitten. Nach einem halbjährigen Marsche errechte er den Albertsee, fand Emin Pascha und traf mit diesem im Dezember 1889 in Bagamoyo ein. 

Es ist nicht möglich, auch nur die bedeutendsten Afrikareisenden und ihre Entdeckungen aufzuzählen. Wir nennen noch: Theodor von Heuglin (1824 bis 1876). Er bereiste von 1850 - 1855 Abessinien und Ägypten, 1858 die Küstenländer am Roten Meer und leitete 1861 eine Expedition zur Aufsuchung Vogels. 

Wilhelm Junker (1840 - 1892), der 1876 - 1878 die Nilländer bereiste, unternahm 1879 eine Reise zur Erforschung des Uelle oder Ubangi (rechtsseitiger Nebenfluss der Kongo) und des Nepoko (Nebenfluss des Uruwimi), wurde 1883 durch den Aufstand des Mahdi von allem Verkehr mit Europa abgeschnitten und fand eine Zeitlang bei Emin Zuflucht. Im Jahre 1886 erreichte er glücklich Sansibar.

Paul Reichard, geb. 1854, begleitete 1880 eine deutsche Expedition nach Ostafrika, reiste über Uganda zum Tanganjikasee, von dort zum Lualaba und nach Katanga. 1885 kehrte er als einziger Überlebender der Expedition nach Deutschland zurück.

Hermann von Wißmann, geb. 1853, wurde, nachdem er verschiedene Reisen in Afrika (darunter eine im Auftrag des Königs der Belgier) gemacht hatte, zum deutschen Reichskommissar ernannt und unterdrückte als solcher 1889 - 1890 den Aufstand in Deutsch - Ostafrika, wo er dann von 1895 - 1896 Statthalter war. 

Karl Peters, geb. 1856, gründete in Berlin die Gesellschaft für deutsche Kolonisation und erwarb für sie 1884 Besitzungen in Ostafrika, begründete auch die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft; 1889 unternahm er einen Zug zur Rettung Emins, den er aber schon auf dem Rückweg zur Küste traf. 1891 - 1892 war er Reichskommissar in Ostafrika und stellte dort die deutsch - englische Grenze fest.

Dr. Hans Meyer, geb. 1858, hat sein 1887 wiederholt Ost- und Westafrika bereist und 1889 die erste Besteigung des Kilima-ndscharo ausgeführt. 

Was die afrikanischen Inseln betrifft, so sind Madeira, die Kanaren und die Inseln des Grünen Vorgebirgs genügend bekannt; auf St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha, den fern im Ozean gelegenen Inseln, sind keine Entdeckungsreisen zu machen. Auch die Komoren, Reunion und Mauritius sowie die Inseln der Ostküste sind durchforscht. Dagegen sind die Inseln des Golfs von Guinea im Innern noch wenig bekannt, und in Madagaskar ist noch viel unerforschtes Land. Auf der Insel Sokotra sind Forschungen gemacht, die sich aber mehr auf das Land als auf die Leute bezogen haben, da ihnen wegen ihrer feindseligen Haltung bis jetzt nicht beizukommen war.

Wenn man die Karte Afrikas betrachtet und sieht, wie bis ins Innerste hinein die Länder durch ihre Färbung als einer europäischen Macht zugeteilt erscheinen, sollte man denken, die Zeiten, wo ein europäischer Reisender wie der unglückliche Dr. Vogel auf Befehl eines afrikanischen Tyrannen hingerichtet werden kann, seien für immer vorbei. Dass dem nicht so ist, beweist das Schicksal einer französischen Expedition, die in handelspolitischer Absicht den Weg zum Tsadsee einschlug. Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war es dem Schiffsfähnrich Gentil gelungen, mit einem Dampfer den Schari bis zum Tsadsee hinunterzufahren, freundliche Beziehungen mit dem Sultan von Bagirmi anzuknüpfen und geographische Aufnahmen zu machen. In seinen Fußstapfen folgte nun die französische Mission unter de Béhagle. Aber inzwischen hatte sich Rabeh, der Thronräuber von Bornu, auf Bagirmi geworfen und den Sultan vertrieben. Diesem Rabeh fiel Béhagle in die Hände, und es heißt, der Sultan habe ihn verhungern lassen. Nicht besser ging es einer zweiten Expedition unter Gentil und Bretonnet. Dieser war dem Kommandanten Gentil etwas vorausgegangen; er wurde im August 1889 bei Togbau in der Nähe des Schari von Rabeh angegriffen und mit seiner Mannschaft vernichtet, ehe ihm Gentil zu Hilfe kommen konnte. 

Neue Aufschlüsse über das Hochland am untern Sambesi, wo man jetzt das Goldland Ophir gefunden zu haben glaubt, haben in den letzten Jahren die Reisen von Dr. Schlichter und Karl Peters gebraucht. Schon der Württemberger Karl Mauch (geb. 1837, gest. 1875) hat auf seinen Reisen in Südostafrika (1863 bis 1872) in jenem Landstrich Goldfelder und die merkwürdigen Ruinen von Zimbabye entdeckt und hier die Kulturreste des alten Ophir vermutet. In den achtziger Jahren machte der englische Altertumsforscher Bent dort Untersuchungen und erklärte es für wahrscheinlich, dass die Ruinen semitischen Ursprungs feien. Schlichter hat nun noch neue Ruinen und an diesen auch Spuren eines alten Sternenkultus entdeckt. Es ist jetzt jedenfalls sehr wahrscheinlich, dass das rätselhafte Ophir in jenem Bergland mit seinen merkwürdigen Ruinen zu suchen ist. 

Im Jahre 1899 ist der zweitgrößte der afrikanischen Schneeberge, der Kenia, im 50. Jahre nach seiner Entdeckung durch Missionar Krapf, von dem Oxforder Professor Mackinder erstiegen worden. Es waren schon früher Versuche gemacht worden, den Berg zu ersteigen, aber die Reisenden waren nie bis zum Gipfel gelangt. 

Mackinder machte sich mit noch drei Begleitern und zwei Schweizer Alpenführern auf den Weg. Mit der Ugandabahn fuhr man bis Marobi, 130 Kilometer südlich vom Kenia. Dort wurde eine Karawane zusammengestellte. Am 28. Juli brach man 170Mann stark auf und gelangte nach einem beschwerlichen Marsch durch meistens unbekanntes Land am 15. August an den oberen Sagana, wo Mackinder am Südwestabhange des Kenia, fast unmittelbar am Äquator, sein Lager aufschlug. Am 19. begann er mit den beiden Führern den ersten Versuch, und zwar an der Westseite des Berges. Drei Tage zog man durch einen Wald, der nur von Elefantenpfaden durchzogen ist und wo man sich oft mit Axt und Buschmesser den Weg bahnen musste. Als man 4200 Meter Höhe erreicht hatte, wurde Mackinder ins Lager zurückgerufen, wo die Lebensmittel ausgegangen waren. Er traf die nötigen Anordnungen und begann am 30. August die zweite Besteigung, bei der er 5130 Meter erreichte, aber dann vor einer Felswand Halt machen musste. Aber diese Nacht schreibt er: "Erst um 10 Uhr begann der Ostwind, der bis dahin in den Spalten der Felswand hinter uns gestöhnt und gekreischt hatte, uns zu fassen und mit Schlägen kalter Luft zu packen, so dass uns die Knie zitterten und wir uns eng aneinander schmiegten. Der Himmel war wolkenlos, und die Sterne, die unbeweglich wie Lampenlichter schienen, verbreiteten Helle genug, um uns die kleinen Seen des Zweitarn-Col im Westen vor uns zu zeigen. Um 3 Uhr ging der Mond auf, der sein kaltes Licht auf das Wolkendach von Kikuju warf  und den im Schatten fünfzehn Fuß unter uns liegenden Darwingletscher erhellte."  Am nächsten Morgen versuchte man den Aufstieg zum Gipfel, aber eine diesen durchsetzende Spalte verlegte den Weg. So musste Mackinder ein zweites Mal umkehren. Am 12. September endlich, beim dritten Versuch, gelang es, den Gipfel zu erreichen. Er nahm einen noch westlicheren Weg über den Darwingletscher, wobei man viele hundert Stufen ins Eis hauen musste. Am 13. September stand der Reisende auf dem höchsten Gipfel, der damals schneefrei war. Er konnte nur die allernotwendigsten Messungen vornehmen und musste dann umkehren, um nicht von den nachmittags einsetzenden gefährlichen Stürmen überfallen zu werden. Die Höhe des bedeutendsten der drei hohen Gipfel des Berges hat Mackinder auf 5520 Meter festgestellt; der Kenia ist also ungefähr 700 Meter höher als der Montblanc. Die beiden höchsten Gipfel möchte Mackinder Batian und Relion nennen, nach zwei sagenhaften Häuptlingen des Massaistammes, der seinen Ursprung mit dem Kenia in Verbindung bringt. früher ein Vulkan, der Krater ist aber jetzt eingestürzt. Der Berg hat mehrere Gletscher; alte Moränen zeigen, dass die Vergletscherung früher noch stärker war und viel weiter herunterreichte. Man kann also annehmen, dass das Klima Ostafrikas jetzt wärmer ist als früher. Der Name Kenia bedeutet Nebel und ist bezeichnend für den Berg, der sehr oft ganz in Nebel gehüllt ist. 

Wir sehen aus der obigen Schilderung, dass Bergbesteigungen in Innerafrika unter etwas andern Bedingungen vor sich gehen als bei uns. Die Gletscherzone beginnt auf diesen in der Nähe des Äquators gelegenen Bergen in viel größerer Höhe, als z.B. irgendwo in den Schweizer Alpen, um Kenia bei ungefähr 4400 Meter, und dies macht dei Besteigung eines afrikanischen Berges viel leichter. Andrerseits aber müssen die Wege erst neu gesucht werden. Wie wenig Hilfsmittel in der Umgegend des Berges zu finden sind, sehen wir schon daraus, dass Mackinder für die Reise zu dem Kenia und den mehrwöchigen Aufenthalt in dessen nächster Nähe einer ganzen Karawane von Trägern bedurfte. Wohl hat man in Ostafrika schon wiederholt Versuche mit der Einführung von Reiteseln gemacht, und einige Reisende haben diese Tiere auch mit Erfolg benutzt; im ganzen aber ist damit doch nicht viel erreicht worden.

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