Evangelische Mission im Nyassa - Land

von Julius Richter 
Pastor in Rheinsberg (Mark).

Auszüge aus dem gleichnamigen Buch (Seite 165 bis 173)
Verleger: Buchhandlung der Berliner evangl. Missionsgesellschaft. Berlin 1892
(wir bitten Übertragungsfehler zu entschuldigen,  bitte teilen Sie uns diese Fehler mit, damit wir eine Korrektur vornehmen können. Danke)


Britisch - Centralafrika

Als Livingstone den Schire und Nyassa erforschte, lag es ihm fern, dies neuentdeckte Land irgendwie in ein Abhängigkeitsverhältnis von England zu bringen. Was er und sein Auftraggeber, das englische Volk, wünschten, war, dem Land die Wohlthaten christlicher Gesittung zuzuführen und als Gegengabe handelsfähige Rohprodukte für den Welthandel zu erhalten. So weit ging damals die Abneigung gegen irgend welche koloniale Aspirationen, dass man Livingstones Plan der Besiedelung des Schire - Hochlands durch englische Arme verwarf um nicht zur Ausrichtung einer Kolonie am Schire gedrängt zu werden.

Auch die Missionsgesellschaften, welche später in die Arbeit eintraten, hielten sich von jeder Einmischung in die politischen Verhältnisse des Landes mit fast peinlicher Sorgfalt fern. Die freischottischen Missionare hatten strenge Instruktionen, auch nicht einmal den Schein aufkommen zu lassen, als wollten sie sich neben, geschweige denn über die lokalen Autoritäten stellen. Ihre Missionsstationen unterstanden der Gerichtsbarkeit der betreffenden Häuptlinge, und die gesammelten Christen blieben Unterthanen ihrer früheren Machthaber. Im wesentlichen dieselbe Stellung wurde nach kurzem Schwanken auch den Missionaren der schottischen Hochkirche und der Universitäten - Mission vorgeschrieben. Darum hatte man ja den verlockenden Plan fallen lassen, die Missionsstationen zu Mittelpunkten von Kolonien zu machen, um welche sich die Eingeborenen in Scharen sammeln sollten; weil die Ausführungen dieser Idee die Missionare zu kleinen Häuptlingen, mithin zu Rivalen der Stammeshäuptlinge gemacht hätte.

Die Afrikanische Seengesellschaft endlich war lediglich eine von humanen Prinzipien geleitete und humanen Zwecken dienende Handelsgesellschaft. Ihre Grundidee war Livingstones Parole, den Sklavenhandel durch Einführung eines gesetzmäßigen Handels zu bekämpfen. So hatte auch sie kein wesentliches Interesse daran, Hoheitsrechte sich im Lande zu erwerben. Die englischen Konsule, welche am Nyassa stationiert waren, hatten außer der Aufgabe, Leben und Eigentum der im Lande befindlichen Engländer nach Kräften zu schützen, auch nur die ideale Aufgabe, dem Sklavenhandel entgegenzuwirken und Frieden unter den Eingeborenen herzustellen. So war in dem ersten Vierteljahrhundert der englischen Verbindung mit dem Nyassaland (1859 bis 1885) kein Versuch gemacht, in irgend welcher Weise eine Herrscherstellung im Lande einzunehmen. 

So kam die koloniale Ära. Europa gefiel sich in dem Gedanken, in Afrika sei noch unendlich viel herrenloses Land, und es sei höchste Zeit allen diesen Gebieten die Wohlthat des Protektorates einer Kulturmacht zuzuwenden. Die europäischen Großmächte teilten Afrika unter einander; wem sollte das Nyassa-Land zufallen?

Es kam, verständlich betrachtet, nur eine Macht in Frage: England. Briten hatten das Land entdeckt und erforscht; alle Niederlassungen im Lande waren englisch. Hatten auch die Engländer bis dahin keine Herrschaftsstellung, hatten sie nicht einmal den Versuch gemacht, eine solche zu erwerben, so waren sie doch die Wohlthäter des Landes gewesen.

Aber die Portugiesen waren nicht geneigt, den Engländern den Raub leichten Kaufes zu überlassen. Die Portugiesen hatten von Anfang an mit argwöhnischen Augen das Eindringen der Engländer mit angesehen; Sie hatten mit Eifersucht alles beobachtet, was sich die Engländer am Nyassa und Schire zu schaffen machten. Zu nahe war ihnen ja Livingstone wahrlich nicht getreten, außer dass er den Schleier von ihrem schändlichen Treiben weggezogen und sie der Verachtung der Welt preisgegeben hatte. Aber sie hatten einmal die fixe Idee, dass alles Land vom Atlantischen bis zum Indischen Ozean, von Angola bis Mozambique ihnen gehöre, portugiesische Kolonie sei. Sie hatten in diesem ungeheuren Gebiet absolut nichts zu sagen, ihre Macht reichte nirgends weiter, als die Kanonen ihrer Forts, ihre Kaufleute und Grundbesitzer mussten den eingeborenen Häuptlingen Zoll und Steuer zahlen. Ja, die ganze Kolonie kostete der Krone Portugal wesentlich mehr für Verwaltung und Militär, als das Land irgend jemand einbrachte. Aber wenn auch die Portugiesen nichts von dem Lande hatten, so gönnten sie es doch erst recht anderen nicht. Sie machten einen energischen Versuch, das ganze Schire- und Nyassa-Land unter portugiesisches Protektorat zu bringen.

Wir hören sonst von diesen Ländererwerbungen der kolonialen Ära in der Regel nur durch Vermittelung derer, welche die Akquisitionen gemacht haben; da sieht alles so friedlich aus und scheint so glatt zu gehen. Es ist deshalb interessant, im Nyadda - Land den Kampf um das Protektorat nach den Briefen der mitten in den Verhältnissen stehenden Missionare zu verfolgen, um dadurch gleichsam einen Blick hinter die Kulisse zu werfen.

Die ersten Projekte der Portugiesen sollten wohl nur dazu dienen, dem nicht eingeweihten Publikum Sand in die Augen zu streuen. Sie planten eine Chaussee von Kilimane über Land nach Blantyre und später eine Eisenbahn längs des Schire durch das Makololo - Land. Von der Chaussee ist gar nichts sichtbar geworden, von der Eisenbahn wurde wenigstens die Bahnlinie abgesteckt. Damit war es dann freilich auch genug.

Da kamen den Portugiesen die Wirren von Nordende des Nyassa zu statten. Während die Seengesellschaft alle Hände voll bei Karonga zu thun hatte, machten die Portugiesen den Versuch, den Sambesi zu sperren. Sie belegten den Sambesi-Dampfer der Seengesellschaft mit Beschlag. So waren sie die natürlichen Bundesgenossen der arabischen Sklavenhändler, hatten sie doch mit ihnen dasselbe Interesse, die Schotten vom Nyassa zu verdrängen. Gerade die Schwierigkeiten, auf dem Sambesi Proviant und Munition für die Truppen am Nyassa zu schaffen, erscherte die Operation der Seengesellschaft aufs äußerste.

Bald gingen die Portugiesen direkter ans Werk. Im Jahre 1888 machte sich Senhor Cardoso auf der Landroute auf den Weg und kam bis zu einem der Unterhäuptlinge Makanjiras. Diesen bewog er dazu, das portugiesische Protektorat anzuerkennen und die portugiesische Flagge zu hissen. Das bekam allerdings diesem Häuptling schlecht. Sobald Makanjira davon gehört, ließ er ihn absetzen und die portugiesische Fahne wieder einziehen.

Im nächsten Frühjahr (1889) kehrte Senhor Cardoso mit bedeutenden Vorräten an Tauschwaren, Munition und Spirituosen zum Nyassa zurück. Jetzt machte er sich systematisch an alle Häuptlinge im Osten und Süden des Sees, von Mponda bis Chitesi. Die einen besuchte er persönlich; den anderen ließ er seine Botschaft durch Gesandte mitteilen. Überall teilte er glänzende Geschenke aus, besonders die den Häuptlingen so äußerst willkommenen Flinten und Pulverfässer; überall drängte er die Häuptlinge, ihren Handel nach Kilimane zu dirigieren, weil dort die Karawanen alle ihre Produkte loswerden und die Waren einhandeln können, die ihnen am liebsten wären. Ob er direkt dem Sklavenhandel das Wort redete und Kilimane als Absatzgebiet für sie empfahl, lässt sich nicht nachwiesen. Jedenfalls stellte er ihnen wie Pulver und Gewehre, so Brandwein in Menge in Aussicht. Überall aber war die Bedingung, an welche diese glänzenden Versprechungen geknüpft waren, das Hissen der portugiesischen Flagge. Dass sie damit die portugiesische Oberherrschaft anerkannten, und dass sie sich in den Briefen, die er ihnen zur Unterschrift vorlegte, für das portugiesische Protektorat aussprachen, hütete er sich wohl, ihnen auseinander zusetzen. Die Absicht des ganzen Unternehmens war offenbar, vor den Augen der politischen Welt scheinbare Rechtstitel zu erwerben und den Handel des ganzen Landes nach Kilimane zu leiten.

Das Unternehmen misslang aber. Die Missionare der Universitäten - Mission, wiewohl prinzipiell jeder Einmischung in die Politik abhold, hielten es für ihre Pflicht, den irregeleiteten Häuptlingen die Konsequenzen ihrer Handlungsweise klar zu machen, und sie besonders davor zu warnen, unüberlegt die portugiesische Flagge zu hissen, Ihre Vorstellung hatten dann auch bald genug den Erfolg, dass alle Häuptlinge ohne Unterschied, selbst Makanjira, die portugiesische Flagge zurücksandten oder verbrannten und Cardoso Botschaft sandten, dass sie wohl gern die guten Dinge der Portugiesen kaufen würden, aber nicht daran dächten, sich unter portugiesische Herrschaft zu stellen. Damals war noch der englische Einfluss am See unbedingt herrschend.

In jener Zeit langte fast keine Karawane am Ostufer des Nyassa an, die nicht eine Flagge zu übergeben hatte, Flaggen der Engländer, der Franzosen, der Portugiesen, der Deutschen, selbst des Kongostaates. Die Häuptlinge am See mussten sich ordentlich großartig vorkommen bei  diesem Wettbewerb um die Freundschaft. Die Entscheidung war in ihren Augen nicht einfach. Einen Eindruck hatten sie eigentlich nur von der Größe der Engländer. Aber diese waren die Feinde der Araber, der Einzigen, die sie bisher mit allen wünschenswerten Produkten der Kultur versorgt, und Gegner des Sklavenhandels, des einzigen Gewinnbringenden Handels, den sie zu treiben verstanden. Kann man es heidnischen Häuptlingen verdenken, wenn sie sich in ihrem Herzen mehr auf dei Seite der Portugiesen neigten, welche im wesentlichen denselben Handelsgrundsätzen zu huldigen erklärten, wie die Araber?

Da aber Cardosos Unternehmen die gewünschten Erfolge nicht gehabt, planten die Portugiesen eine große kriegerische Aktion gegen das Schirethal. Cerpa Pinto, der berühmte portugiesische Forschungsreisende wurde an die Spitze gestellt. Unter dem Schein einer wissenschaftlichen Expedition wurden ihm anderthalb tausend eingeborener Truppen, zwei Kanonenboote und alles Zubehör beigegeben. Diesmal aber kamen die Engländer den Portugiesen zuvor. Während Lord Salisbury am 26. November 1889 erklärte, dass er den Portugiesen das Nyassa-Land nicht lassen werde, eilte der Konsul Johnston vor dem portugiesischen Herrn her und schloss zunächst mit den Makololofürsten, den alten treuen Freunden der Engländer, Verträge und hisste überall die englische Flagge, dann eilte er weiter zum Nyassa und gewann vor allem den mächtigen Jumbe in Kotakota durch das Versprechen einer bedeutenden jährlichen Pension, man sagt 4000 oder 6000 Mark. Schließlich gelang es ihm auch, mit den aufständischen Arabern am Nordende des Sees fertig zu werden. Als er am 22. Oktober 1889 in Karonga die englische Flagge hisste, war das englische Protektorat über das ganze weite Gebiet von der Mündung des Ruo in den Schire bis Karonga erklärt. Nur das Ostufer des Nyassa hatte Johnston sich selbst überlassen.

Cerpa Pinto kam zu spät. Als er am Ruo anlangte, wehte ihm jenseits schon die englische Fahne entgegen. Er wollte sich damit nicht begnügen, sondern erklärte den Makololo den Krieg. In dem ersten Treffen gelang es ihm auch ohne Schwierigkeit, den nächsten Makololohäuptling empfindlich zu schlagen, so dass dieser, wütend, dass er von den Engländern im Stich gelassen sei, die englische Flagge zerriss. Aber sei es, dass Cerpa Pinto die Vergeblichkeit weiterer Versuche einsah, sei es, dass er Befehle von hause erhielt, er kehrte nach Kilimane zurück.

So war also der wichtigste Teil des Nyassa - Landes, das obere Schirethal und die gesamte Westküste des Sees für die Engländer gerettet. Es kam nur noch darauf an, die Interessensphären mit den angrenzenden Kolonialmächten, Deutschland im Nordosten und Portugal im Südosten, abzugrenzen. 

Am 1. Juli 1890 wurde das deutsch-englische Abkommen unterzeichnet. Wir können in Bezug auf diesen Teil unserer Kolonie Deutsch-Ostafrika mit demselben durchaus zufrieden sein. Uns ist der schönste Teil der reichen Konde - Ebene am Nordende des Sees zugefallen, gerade das Land, das vor den Gräueln des Sklavenhandels zuberwahren, die Schotten sich hatten so sauer werden lassen. Auf der anderen Seite sind uns freilich auch die Magwangwara, die Quälgeister des Landes, zugesprochen. Es wird eine große Aufgabe unserer kolonialen Regierung sein, dies unruhige Räubervolk zu einem sesshaften Leben zu gewöhnen.

Kurze Zeit darauf ist auch die englisch-portugiesische Konvention unterzeichnet. Den Portugiesen ist im wesentlichen die ganze dichtbevölkerte Ostküste zugesprochen; nur ihren alten Feind, Kamanjira, den Beleidiger des Konsuls Buchanan, haben sich die Engländer vorbehalten. 

Die Portugiesen sind mit dieser Entscheidung wenig zufrieden; und da sie nicht Macht haben, die Engländer wesentlich zu schädigen, so legen sie sich auf allerlei Intrigen und Schikanen, welche den Engländern, auch den Missionaren das Leben schwer machen. Ihnen sind 3% Zoll für alle den Sambesi passierenden Waren einzuräumen. Welch eine Gelegenheit, alle Kisten und Büchsen zu öffnen. Einmal konfiszierten sie einem Missionar sogar seine Bibeln und Bibelteile unter dem Vorwand, das sei Konterbande. Ein andermal enthielten sie einem anderen seine Flinte und Revolver vor mit der Behauptung, Schießwaffen einzuführen sei nicht erlaubt. Von den Briefen geht in Kilimane ein großer Teil verloren und dergl. mehr. Es fragt sich nur, wie lange die Engländer sich solche Schikanen gefallen lassen.

Die Engländer sind inzwischen mit erstaunlicher Energie ans Werk gegangen, die ihnen nominell zufallenden Gebiete auch faktisch in Besitz zu nehmen. Konsul Johnston wurde zum General-Konsul des Nyassa - Landes, ein bisheriger Beamter der Seengesellschaft Sharpe zum Vicekonsul ernannt. Johnston eilte nach Sansibar, um sich mit einem Stabe europäischer Offiziere und einer genügenden Polizeimacht von Eingeborenen zu umgeben. Wir bedauern, dass er als Soldat 150 Sklaven in seinen Dienst genommen hat, ohne ihnen die Freiheit zu verschaffen. Bisher hat jeder Engländer im Nyassa-Land seine Hände sorgfältig frei und unbefleckt von jeder Art der Sklaverei gehalten, und das ist ihr Ruhm gewesen. Es wird einen seltsamen Eindruck auf die Häuptlinge machen, wenn eine Armee von Sklaven ins Land geführt wird, um den Sklavenhandel zu unterdrücken. Mit dieser stattlichen Schar ist Johnston in diesem Frühjahr (1891) im Schire - Hochland angekommen. Wie um den Engländern entgegen zukommen, hat sich seit Livingstons Zeiten das Sambesi-Delta so verändert, dass jetzt wieder eine neue, ohne zu große Schwierigkeiten passierbare Mündung, die Chinde - Mündung, vorhanden ist. Diese hat Johnston sofort zu einer neuen Station und zu einem Haltepunkt für die beiden großen englischen Dampflinien gemacht. Wenn die Chinde - Mündung sich bewährt, werden die Engländer wahrscheinlich ihren ganzen Verkehr von Kililmane weg hierher verlegen, und der alte Wunsch Livingstons, eine offene Straße vom Meer nach dem Sambesi, wäre erfüllt. Der Anfangspunkt des englischen Gebietes, Chiromo an der Ruo - Mündung ist zu einem Fort ausgebaut. Gegenüber weht die portugiesische Flagge, und die portugiesischen Kanonen machen immer noch von Zeit zu Zeit einen vergeblichen Versuch, die freie Schiffahrt der englischen Schiffe zu stören. Shiromo ist zu einem englisch Hauptpostamt mit direkter telegraphischer Verbindung nach Kililmane geworden. Mandala und Zomba sind gleichfalls zu Postämtern erhoben. Mit der Ankunft der englischen Polizeimacht hat auch eine ordentliche Einwanderung von Pflanzern und Goldsuchern im Schirehochland stattgefunden. Ein großer Teil des Grundbesitzes von Schire an bis nach den Milandji - Bergen hin ist bereits in englischen Privatbesitz übergegangen. Mehrer Erforschungsexpeditionen unter Führung des berühmten englischen Reisenden Joseph Thomson und anderer haben das Land von Blantyre und Bandawe aus nach Westen bis in die Gegend des Bangweolo - Sees durchstreift, um auch die bisher noch verschlossenen Gebiete dem englischen Handel zu eröffnen. Die schottische Seengesellschaft konnte einer derartigen Entwicklung nicht gleichgültig gegenüber stehen, wenn sie nicht ihre bisherige Führerstellung im Lande einbüßen wollte. Sie soll sich mit der großen, englischen südafrikanischen Gesellschaft im Mashona - Land verbündet haben und im Begriff stehen, sich mit dieser unter dem Vorsitz des Premierministers des Kaplandes Sir Rhodes zu einer großen, leistungsfähigen Gesellschaft zusammenzuschließen. 

Unzweifelhaft steht das ganze Nyassa-Land an der Schwelle einer großartigen Umwälzung. Ob diese zum Segen für die Eingeborenen und zum Heil der Mission ausfallen wird, wer mag es im voraus bestimmen? Wir müssen dringend wünschen, dass jeder Engländer, der nach dem Nyassa-Land geht, sich erinnerte, dass alle bisherigen Unternehmungen in diesem Lande von Livingstone an zum Wohle der Eingeborenen bestimmt und in christlich-humanem Geist durchgeführt wurden. Hier am Nyassa ist unbestritten die Mission die Bahnbrecherin der Kultur gewesen. Dei Mission hat das haus gebaut, von welchem die englische Politik nun ohne Schwertstreich Besitz genommen hat. Möchten doch die jetzigen Gewalthaber dessen eingedenk bleiben, damit die Gesichtspunkte und Grundsätze der Mission maßgebend bleiben im Lande. 

Werfen wir noch einen Blick auf den jetzigen Zustand des Nyassa - Landes, so sind es drei Mächte, die dort Hoheitsrechte auszuüben berufen sind, neben den Engländern wir Deutschen und die Portugiesen. Dei Engländer haben bisher ihren Einfluss in edelmütiger Weise dazu verwendet, den Eingeborenen wohl zu thun und ihnen nur das von der europäischen Kultur zuzuführen, was ihnen heilsam ist. Hoffentlich werden wir Deutschen dem edlen Vorbilde nacheifern und unsere koloniale Aufgabe am Nyassa nicht darin suchen, die Reichtümer des Landes auszunutzen, sondern den Eingeborenen zur Hebung derselben behilflich zu sein. 

NACH OBEN

Die beiden neuesten deutschen Missionsunternehmungen.

Nur im Vorübergehen erwähnen wir, dass sich im Jahre 1890 vier katholische Missionare, Weiße Väter aus den algerischen Missionen des Kardinals Lavigerie, im Lande Mpondas am Südende des Nyassa - Sees niedergelassen haben. Die evangelischen Missionare sowohl der schottischen Staatskirche wie der englischen Universitäts-Mission sind ihnen mit großer Freundlichkeit entgegengekommen und haben ihnen alle ihre Hilfsmittel zur Erlernung der Pao - Sprache zur Verfügung gestellt. Dei Missionsfreunde in der Heimat konnten dieses eindringen einer katholischen Mission in evangelisches Missionsgebiet besonders deshalb nur mit geteilter Freude begrüßen, weil die Weißen Väter von einem ganz verschiednen Missionsprinzip geleitet werden und deshalb besonders dem Sklavenhandel gegenüber eine geradezu entgegengesetzte Praxis befolgen. Die Herrn scheinen sich aber in Mpondas Lande nicht wohl gefühlt zu haben. Der neueste Brief Johnsons vom 9. Juli dieses Jahres (1891) enthält die kurze Notiz: "Die französischen Väter haben Mponda verlassen"

Um so lebhafter ist unsere Freude, dass in jüngster Zeit zwei deutsche evangelische Missionsgesellschaften in das mit reichem Segen gekrönte Arbeitsfeld eingetreten sind, die Berliner (I) Südafrikanische Missionsgesellschaft (Wangemann) und die Brüdergemeinde. Bei beiden sind es wunderbare Wege Gottes gewesen, die sie auf dies Feld führten.

Sobald ein großer Teil Ostafrikas deutscher Besitz geworden war, trat an Berlin I dei Frage heran, ob es nicht auch seine Pflicht sein, den schwarzen Landsleuten, die der Hilfe so sehr bedurften, das Beste von der europäischen Kultur, das Christentum, zu bringen. Während aber die Väter dieser Gesellschaft wegen der äußerst unfertigen Zustände in der Kolonie noch eine vorsichtige, zurückhaltende Stellung einnahmen, bildete sich in Berlin eine neue, eigens für Deutsch-Ostafrika bestimmte Missions-Gesellschaft, Berlin III (Diestelkamp - Graf Bernstorff). trotzdem gab Berlin I den Wunsch nicht auf, in Ostafrika in die Missionsarbeit einzutreten, indem es hoffte, die noch schwache ostafrikanische Missionsgesellschaft mit sich zu verschmelzen. Allein diese Hoffung scheiterte einsteils an dem Widerstanden dieser Gesellschaft, ihr großes Krankenhaus in der Stadt Sansibar aufzugeben, andernteils an dem Zuwachs an Ansehen und Einfluss, den die Gesellschaft durch das Eintreten des Pastors von Bodelschwingh für ihre Bestrebungen erhielt. Als die Verhandlungen zwischen den beiden Berliner Missionsgesellschaften definitiv gescheitert waren, entschloß sich die erste Gesellschaft, auf eigene Hand eine neue Mission in Ostafrika zu beginnen. Bei der Auswahl des Arbeitsgebietes wollte sie zugleich möglichst fern von Dar-es-Salam, der Hauptstation von Berlin III und jenseits der Sphäre des muhammedanischen Einflusses einsetzen; das eine, um jede Möglichkeit der Reibung und Eifersüchtelei auszuschließen; das andere, weil sich überall da die Missionsarbeit als fast hoffungslos erwiesen hat, wo der Islam die Herzen hart gemacht hat. Diese Erwägung richteten die Blicke des Komitees auf die gesegneten Gefilde des Wankonde - Landes am Nordende des Nyassa. Was von diesem Lande und seinen Bewohnern bekannt geworden war, klang so viel versprechend, so überaus günstig, dass es schien, als könne kein glücklicherer Ort gewählt werden. Allerdings lag dieses Gebiet 150 Meilen von der Küste des Indischen Ozeans entfernt, aber der Sambesi und Schire und vor allem der 70 Meilen lange Nyassa bot eine so vorteilhafte Wasserstraße, dass dieser Nachteil aufgehoben erschien. Der im Missionsdienst bewährte Superintendent Merensky wurde Ende November 1890 nach London, Glasgow und Edingburg geschickt, teils um mit den leitenden Persönlichkeiten der drei englischen Missionsgesellschaften persönliche Beziehungen anzuknüpfen, teils um alle notwendigen Erkundungen über die Zusammensetzung der auszusendenden Missionsexpeditionen, ihre Ausrüstung, die Verpackung und den Transport der Waren und dergl. mehr einzuziehen. Er fand besonders bei den Vertretern der schottischen Freikirche ein so überaus freundliches Entgegenkommen, dass darin das Komitee seiner Gesellschaft eine deutlich Bestätigung dafür fand, dass sie auf dem rechten weg seien.

Während dies in Berlin im Missionshause am Friedrichshain ernstlich erwogen wurde, war die wackere Missionsgemeinde in Herrnhut durch ganz andere Umstände nach Nyassa gewiesen. Im Jahre 1887 starb in Breslau ein unbekannter Privatmann Namens Herman Adolf Daniel Grakau und übermachte in seinem Testament der Brüdergemeinde, mit der er in gar keiner Verbindung gestanden hatte, ein Kapital von 800 000 Mark unter der Bedingung, dass sie die Hälfte der Zinsen dieses Kapitals zu Missionszwecken und die andere Hälfte zum Loskauf von Sklaven verwende. Ungefähr zu gleicher Zeit, als dieser unverhoffte Segen ihnen zuviel, wurden ihnen weitere 48 000 Mark speziell für eine Mission in Ostafrika zugewandt, und die Synode der Brüdergemeinde 1889 ermächtigte die Missionsleitung, die Hälfte des wenige Jahre zuvor gesammelten Jubiläumsfonds für Zwecke der Heidenmission zu verbrauchen. Die Missionsleitung sah in diesem außerordentlichen Zufluss von Geldmitteln einen Fingerzeig Gottes, ein neues Missionswerk in Angriff zu nehmen. Der damals erfolgende Abschluss der englisch-deutschen Konvention (1.Juli 1890) richtete die Augen auf Deutsch-Ostafrika, und ähnliche Überlegungen wie bei Berlin I ließen sie den Südwestzipfel des deutschen Schutzgebietes am Nyassa allen anderen Gegenden vorziehen.

Nun lag ja eine gewisse Gefahr darin, wenn zwei deutsche Missionsgesellschaften zu gleicher Zeit in dasselbe Arbeitsfeld einzutreten beabsichtigen, zumal dasselbe bereits durch eine provisorische Station der schottischen Freikirche (Kararamuka) mit Beschlag belegt war. Aber gerade Dr. Kerr-Groß, der Missionar von Kararamuka, kam den Deutsch mit einer höchst anerkennenswerten Freundlichkeit entgegen und hieß die Bundesgenossen in dem gemeinsamen Kampfe gegen das Heidentum und die Sklaverei willkommen. Und die beiderseitigen Vertreter von Berlin I und er Brüdergemeinde schlossen in herzlicher Gemeinschaft und unter brünstigem Gebet eine Übereinkunft (10.Jan. 1891), durch welche sie "vorbehaltlich der Führung Gottes ungefähr den 34. Längengrad östlicher Länge als die Grenze bestimmten, von welcher ab westlich die Brüdergemeinde, östlich Berlin I ihr Arbeitsgebiet suchen solle." Sie versprachen, "einander bei ihrer Arbeit gegenseitig förderlich und behilflich zu sein und einander zu dienen, wo und wann sie können, zur Ereichung des einen Zieles, das Ausbreiten des Reiches unsers hochgelobten Herrn Jesu Christi." Selten haben sich drei Missionen auf demselben Feld mit gleicher, brüderlicher Einigkeit die Hand gereicht, um getrennt zu arbeiten zum Sieg über den gemeinsamen Feind.

Sobald die Präliminarien erledigt waren, gingen beide Missionsgesellschaften an die Aussendung der ersten Missionare. Die Brüdergemeinde war die erste auf dem Plan. Ihre Boten, vier an der Zahl, reisten am 15. April 1891 von Neapel ab und erreichten nach einer über alle Erwartungen schnellen Reise am 20. Mai Kilimane und am 8. Juni Mandala - Blantyre. Sie werden voraussichtlich am 20. Juni Karonga am Nordende des Sees und wenige Tage später Kararamuka erreicht haben. 

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Die Expedition von Berlin I nach Deutsch-Ostafrika 1891
stehend: Rorig - Nathanael - Bunck - Krause - Afrika - C. Nauhaus
sitzend: Merensky - Franke - Schumann - Th. Nauhaus

Die Abreise der Berliner Missionare verzögerte sich um einige Wochen; sie hatten es auch umständlicher, weil sie nicht die Route über Aden und Sansibar, sondern die weitere um das Kap herum zu nehmen hatten. Ihr Korps war ein stattliches. An der Spitze stand Missionssuperintendent Merensky, ein Veteran im Missionsdienst. Ihm waren vier junge Missionare, Franke, Schumann, Nauhaus und Bunk, beigeordnet. Zwei davon Schumann, der Sohn des Missionars Schumann in Stendal (Natal), und Nauhaus, der Sohn des Superint. Nauhaus in Botschabelo (Transvaal), sind Kinder Afrikas und sprechen, der eine Sulu, der andere Sessuto wie ihre Muttersprache. Da nun auch Merensky das Sesuto vollständig beherrscht, und Br. Franke schon ein Jahr in Natal die Sulu - Sprache erlernt hat, so haben unsere Missionare große Hoffnung, die verwandten Sprache am Nyassa schnell zu erlernen und bald in die eigentliche Missionsarbeit einzutreten. Um nun diesen Missionaren die sehr anstrengenden und bei der brennenden Hitze lebensgefährlichen, äußeren Arbeit nach Kräften zu erleichtern, welche beim Anlegen einer Station und beim Aufbau der Gebäude unvermeidlich sind, hat ihnen das heimische Missionskomitee drei Handwerker - Brüder, zwei Zimmerleute und einen Tischler, mitgegeben. Und außerdem haben sich zwei zuverlässige christliche Zulu entschlossen, als Dienstboten zum persönlichen Dienst der Missionare die Expedition auf ein Jahr zu begleiten. So war es eine stattliche Schar von 10 Missionsleuten, die am 28. Juni 1891 in Durban, der Hafenstadt von Natal, den Dampfer bestiegen. Nach den letzten Nachrichten sind sie nach unruhiger Fahrt am 6. Juli wohlbehalten in Kilimane eingetroffen, haben aber dort fast unüberwindliche Schwierigkeiten getroffen, die sich ihrer schnellen Weiterreise zum Nyassa entgegenstellten. Hoffentlich treffen sie noch bi spätestens Mitte September auf ihren weitentlegenden Arbeitsgebiet ein, um noch vor Einbruch der Regenzeit in den letzten Tagen des Novembers ihre vorläufige Bauten soweit zu fördern, dass sie unter Dach und Fach kommen. Gott geleite sie auf ihren gefährlichen und mühevollen Reise und gebe ihnen und den Brüdern aus Herrnhut im Wakonde - Lande eine offene Thüre! *
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*) Während des Drucks sind ausführliche Nachrichten über die Expedition von der Hand des Miss. - Sup. Merensky eingetroffen. Darnach sind die Missionare in Blantyre fast einen Monat lang festgehalten und sehr hart von Fieber heimgesucht.

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