Förderkreis Tanzaniahilfe
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Gemeindepartnerschaft mit Kitandililo / Südtanzania

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Kurzbeschreibung der Partnerschaft


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entalität und Partnerschaft

Vortrag am 18.01.97 in Petersberg von Herrn Reginald TEMU, München 
(Vorsitzender des Deutsch - Tanzanischen - Freundeskreis e.V. München)
   


Einleitung

Liebe Freunde, meine Damen und Herren,

ich darf Sie alle herzlich begrüßen und mich für die Einladung bedanken. Viele hier kennen mich schon, nur einige nicht. 

In Marangu (Kilimanjaro) beheimatet, besuchte ich dort eine lutherische Primär- und Mittelschule. Dann die lutherische Sekundärschule in Arusha und abschließend eine katholische Oberschule in Bukoba am Viktoriasee, bevor ich zum Studium nach Europa kam.

         Vorhin benützte ich das Wort Heimat und muß ergänzen, daß ich 2 davon habe, Deutschland und Tanzania. Fraglich ist, ob ich Tanzania pauschal als Heimat nennen kann. Wie viel weiß ich eigentlich von diesem große Land (ca.2 ½ mal  so groß wie D)? Viel zu wenig, außer was ich gelesen habe. Deshalb traue ich mich nicht, zu  großartig über Tanzania zu reden, denn jede der 120 Volksgruppen (Stämme) hat eine andere Lebensweise und doch muß darüber geredet werden. Man kann  im allgemeinen über  Politik, Schulmedizin, Wirtschaft, Bildungswesen u.ä. erzählen, aber nicht über Kultur, Mentalität u. a.. Vorerst reden wir über Tanzania.

         Liebe Freunde, auch ohne eine Schule besucht zu haben, kennen viele ihre Geschichte wenigstens bis zur Großmutter/Großvater und wenn mehr erforderlich ist,  kann man sich  durch Erzählungen oder Lesen  informieren. Diese Informationen zeigen uns u.a. die Stetigkeit der Familie bzw. der Nation. Die fragliche, geschriebene, junge Geschichte Tanzanias zeigt eine große Unstetigkeit besonders in Politik und Wirtschaft.

         Im späten 19. Jahrhundert waren die Deutschen im Lande und bauten einige Strukturen in Wirtschaft, Verwaltung u. a. nach ihren eigenen  Vorstellungen auf. Nach dem 1. Weltkrieg krempelten die Engländer diese Strukturen erneut nach ihren eigenen Maßstäben um, bis Tanzania seine politische Unabhängigkeit 1961 erlangte. Seitdem haben wir jetzt den 3. Präsidenten. Ist das denn kontinuierlich?

         Anfangs mußte eine richtig funktionierende große Gemeinschaft aus 120 verschiedenen, in sich funktionierenden Kulturen zusammengebaut werden. Die Politik der 1. Republik konzentrierte sich darauf die Kolonialgefüge zu verändern, aber mittendrin veränderten sich die Weltpolitik und somit auch die Politik Tanzanias. Der Präsident der 2. Republik mußte sich dieser  neuen Weltordnung anpassen, d.h. die FREIE  MARKTWIRTSCHAFT nach der klassischen Definition einführen. Leider waren zu diesem Zeitpunkt die notwendigen Strukturen und Kontrollmechanismen nicht vorhanden, daher entstand ein Selbstbedienungsladen

Jetzt ist die Aufgabe des neuen Regierungschefs sehr schwer, den richtigen Weg einzuschlagen, um das Wohlergehen der Mehrheit der Tanzanier zu erreichen und erhalten. Wie schwer diese Aufgabe ist, haben Sie oft in Tanzania-Information, Blick in die Welt, Zeit für Mission u.a. gelesen. (Missionswerk).

Im August/September 1996 war ich in Tanzania und mußte folgendes feststellen :

a) Es wurden viele Steuern eingetrieben nach den  Auflagen der internationalen Gemeinschaft, aber die Bevölkerung sieht keine Entwicklung, da das Geld momentan nur für die Schuldentilgung verwendet wird. Natürlich - wer Schulden macht, muß auch zurückzahlen - oder? Aber versteht das auch die breite Masse der Bevölkerung?

b) In meinem Dorf waren ungewöhnlich viele junge Leute ohne Aufgaben und Arbeit und dies bedeutet Unruhe in der Gemeinschaft.

Man soll die Hoffnung nicht verlieren - Optimismus ist die Devise!

Oder hat alles mit der falschen Mentalität zu tun?


Apropos Mentalität!

Mentalität zu beschreiben ist schwierig, da es dauerhafte Ansichten gibt und jene, die nur vorübergehend, unter den gegebenen Umständen, vorhanden sind. Wenn wir z.B. Schenkungen betrachten, gibt es einerseits  Leute, die immer auf  Geschenke warten oder auch verlangen, andrerseits gibt es Leute, die diese Geschenke nur gezwungenermaßen annehmen. Um einen gewissen Kontrast über die allgemeinen Denk- und Lebensweisen der Tanzanier bzw. Afrikaner und der Deutschen  zu ziehen, muß ich mich auf einige Beispiele beschränken:


1)
Zeitbegriff:

Die Afrikaner leben nicht nach der Uhr, sondern mit der Zeit, nur so können sie die Fassung bewahren, wenn die Dinge nur langsam oder gar nicht in Bewegung geraten. Sie stehen stundenlang, manchmal auch Tage und warten auf den Bus, stundenlang warten sie auf den Arzt und vielleicht kommen sie auch nicht dran. Stundenlang warten sie am Wasserbrunnen und jetzt stellen Sie sich vor, sie würden die Uhr anschauen.

Der Deutsche glaubt, es muß alles schon gestern geschehen sein. 

Hier fragen sich die Afrikaner warum. Beide aber denken an Zeiteinteilung, wobei einer auf schnelle Lösung beharrt und der Andere mehr Geduld aufweisen kann. Es wird behauptet, daß die Afrikaner mehr an das Heute denken und  sich auf die Vergangenheit beziehen. Ich teile diese Idee teils - teils.

Warum z.B. bringt ein Afrikaner sein Kind zur Schule und kämpft, damit es weiter kommt. Die Anwort dafür ist, um die eigene Altersversorgung zu sichern . Für Kleinigkeiten, wie Essen und Trinken ist das Heute wichtig, aber für langfristige Investition, z.B. Schule, denken die Eltern lange nach, wie sie das Schulgeld beschaffen können. Wenn es um die Zukunft und Investition im Sinne des Industriezeitalters geht, dann ist die Frage von Rücklagen, Rente u.ä. relevant. Ist Njombe, Makambako, Konde, usw. denn schon so weit, daß sie an eine Zukunft nach deutschem Muster denken können? Die Antwort ist Nein.

Nehmen wir eine Maismühle als Wirtschaftsprojekt an und handeln wir nach Wirtschaftlichkeitsregeln. Vom ersten Tag an würden wir Rücklagen für eventuelle Reparaturen beiseite legen. Gleichzeitig müssen wir an Amortisation denken. Jetzt bekommen wir Besuch, haben dafür aber kein Geld zur Verfügung. Oder dringend notwendige Medikamente für das Krankenhaus sind ausgegangen. 

Dann ist man gezwungen, aus dem Mühlentopf  Geld abzuzweigen. Und hiermit wäre das Wirtschaftsdenken im Eimer. 

Das Zusammenspiel zwischen Sozialem und Wirtschaft bleibt momentan in Tanzania sowohl privat, als auch institutionell schwierig zu optimieren.


2)
Gefühle:

Die Afrikaner im allgemeinen enthüllen kaum tiefer gehende Gefühlsregungen, seien sie aus Freude, Leid oder Liebe. Sie sprechen auch wenig über ihre Probleme und das sexuelle Leben. Ein Afrikaner kann nicht verstehen, daß ein Erwachsener in der Öffentlichkeit ganz hüllenlos ins Wasser hineinspringt - undenkbar!

Das Baden mit Bikini und Schwimmhosen entspricht nicht einmal dem Wunsch der Städter, im Dorf kann man es sowieso vergessen. Es ist dann kein Wunder, wenn die Partnerschaftsfrauen als Gastgeberinnen höflichkeitshalber mit dem Gewand ins Wasser springen oder laufen. Im normalen Fall würden auch die Afrikaner, die lange in Deutschland leben, nicht zum FKK gehen. Ich bin überzeugt, daß vor der Industrialisierung und der Verstädterung auch hier nicht anders gehandelt wurde. Oder?


3)
Mzungu: (das bedeutet  „Europäer“  bzw. „Weißer Mensch“)

         In den Augen der Afrikaner ist ein Mzungu  mächtig, Alles-Wisser und Alles-Könner. Durch Ausbildung der Afrikaner werden diese Werte abgemildert, aber die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Wazungus bringt diese Unterschiede immer wieder auf die Tagesordnung. Im Gegenteil, die Deutschen schauen im allgemeinen auf die Afrikaner als untauglich herab,  auch wenn sie glauben,  deren Lebensumfeld zu kennen und zu verstehen. Es bleibt in vielen Köpfen hängen, daß die Afrikaner von Planen, Vorratshaltung, Verwaltung u.ä. keine Ahnung haben, aber von Korruption, High-life und Frauen.


4) Umgang mit der Umwelt:

Der Mensch tendiert dazu, erst zu zerstören,  um dann mit Freude wieder aufzubauen, so glaube ich wenigstens. Erst zerstörten die Europäer die  eigene Flora und Fauna und jetzt zeigen sie mit dem Finger auf die Anderen. Viel wird darüber geredet, aber die Produktion von Giftstoffen geht weiter. Es wird immer gefragt, warum die Entwicklungsländer mit dem Abholzen nicht aufhören. Sicher - das sollten sie auch! Aber  nur durch das Schlagen von  Feuerholz wird der Wald nicht kaputt gemacht, sondern mehr durch das Geschäft mit den Edelhölzern, die von den  Industrieländern nachgefragt werden.


5)
Umgang mit Mitmenschen:

         Für die Afrikaner kommt erst der Mensch und dann alles andere. Wenn z.B. ein Afrikaner zur Arbeit muß und plötzlich kommt jemand mit einem bestimmten Anliegen vorbei, dann muß man diesem zuerst zuhören, denn die Arbeit kann warten. In Deutschland wird meistens mit dem „ich rufe Dich an“ geantwortet und die z.B. dringend benötigte Seelenmassage entfällt. Manche Leute meinen, daß diese zu freundliche Haltung zu Elend und Armut führt. In der Bibel steht aber, daß Geben seliger ist als Nehmen, was sagt die Marktwirtschaft dazu? In der Armut halten die Menschen eher zusammen, als im Reichtum. So war es zum Beispiel in Europa nach den Kriegen und so ist es im Dorfleben in Tansania. Die Menschen haben individuell keine Zeit zum Grübeln, aber sie helfen sich gegenseitig. Trotz Armut stellt man fest, daß die Menschen Zeit haben zum Lachen und Freuen  in der Gemeinschaft, im Gegensatz zu den reichen Individualisten. Die Philosophie sagt:“ Jedes Lachen verlängert das Leben“. Geld ist wichtig, aber nicht die Hauptsache.


6)
Umgang mit Technik:

         Der Deutsche nimmt an, daß jeder die Technik verstehen muß. Aber seinerzeit, bei der Einführung von Computern  in den Betrieben, gab es viele Diskussionen aufgrund der Unbekanntheit.  Heute ist es fast eine Selbstverständlichkeit. Für den Afrikaner ist es vor allem wichtig, daß die Technik funktioniert (z.B. das Auto fährt) und Gott möge für die Sicherheit sorgen. Erwarten wir nicht, daß der Umgang mit der Technik für einen Tansanier  so selbstverständlich ist, wie für einen Europäer. Manche Enttäuschungen werden nicht zu vermeiden sein, wenn eine gemeinsam finanzierte, technische Einrichtung nicht so funktioniert, wie man es erwartet, da außer Technik andere gesellschaftliche Probleme auftreten können. Ist es überhaupt ratsam für eine Kirchengemeinde unternehmerische Tätigkeit durchzuführen? Das ist sicher ein Punkt über den man eingehend nachdenken sollte.


7)
Arbeit:

         In Afrika arbeitet man soviel wie nötig und lebt in seiner heilen Welt, solange man durch keine fremden Einflüsse gestört wird. Sinn der Arbeit ist es, bewußt zu genießen. Ich verherrliche die Hand-zum-Mund-Denkweise nicht, aber wenn man nur an Sparen und Zukunft denkt vergißt man heute zu leben.


Partnerschaft:

Wie wir alle wissen, ist Partnerschaft keine leichte Angelegenheit, und trotzdem suchen wir sie. Viele hier wagten sich in eine Missionspartnerschaft ohne zu wissen, worauf man sich einläßt. Warum macht man es überhaupt ?

a) Will man Einfluß gewinnen?

b) Ist es eine Flucht vor eigenen Problemen?

c) Modeerscheinung?

d) Kulturexport?

e) Geschäftsraum erschließen?

f)  Etwas lernen?

Hier folgen Fragen auf Fragen. Persönlich begrüße ich Ihre Entscheidung, diese Partnerschaft einzugehen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß es sich hier um ein Geben und ein Nehmen handelt. Hat der arme Tanzanier überhaupt etwas zu geben??? Und da besteht die Gefahr der sogenannten „gutgemeinten Partnerschaft“. 

Meine Beobachtungen:

         a) Die Tanzanier sagen, wir können dem Partner sowieso nichts bieten.

         b) Die Deutschen bieten viel materielle Unterstützung an, aber beim Geld hört die Freundschaft auf.

Stimmt es????? 


1) Partnerschaft und Begegnung:

Liebe Freunde, Sie sagen immer der „Ton macht die Musik“! Es gibt viele Theorien und Vorschläge über den Umgang miteinander. Vergessen wir bitte nicht, daß in Tanzania immer noch den Alten eine große Rolle zugestanden wird. Danach kann die Gesellschaftsposition, die sowieso europäisch angehaucht ist, betrachtet werden. Ist es nicht eine deutsche Tugend, Würdenträgern höheren Respekt beizumessen, und warum gesteht man das den Afrikaner nicht zu? Mir gefällt der Gedanke nicht, daß ein afrikanischer Würdenträger leichter zu duzen ist als ein Deutscher, und warum wohl? Nehmen wir an, eine Diskussion (Begegnung) mit einem Pfarrer, Lehrer oder auch einem Bischof. Wie ist der Empfang, die Durchführung der Diskussion und die Verabschiedung? In der Regel gibt es einen höflichen Empfang, auch wenn das Diskussionsthema nicht angenehm ist. Die Unterredung kann manchmal heftig sein, aber man vergißt nicht die Stellung, die diese Person bekleidet. Auch wenn einer sich emotional daneben benimmt, wird er von den anderen gerügt oder zur Ordnung gebracht. Der Ruf nach Ordnung ist um so schwieriger, je höher der Betroffene gestellt ist. Trotzdem erscheint es vernünftiger dem Betroffenen etwas zu sagen, als stillschweigend die Sache auf sich beruhen zu lassen. Was passiert, wenn der Gast mit bestimmten Punkten nicht einverstanden ist? Er lehnt  sie ab oder stellt sie zurück. Was passiert, wenn der Gast ein Afrikaner ist? Dann sieht die Sache ganz anders aus, weil :

a)   Aus Höflichkeit kann er weder ablehnen noch zurückstellen sondern egal wie, er muß eine Antwort geben, da die Zuhörer meistens ungeduldig sind.

b)  Auch wenn er eine bestimmte höhere Gesellschaftsposition bekleidet, ist er  gegenüber seinen Hörern relativ arm, und arme Leute haben gefälligst zu tun, was sie gesagt bekommen - oder?

c)   Die Zuhörer meinen  viel besser zu wissen was besonders gut wäre für den Gast, z.B. Projekte, Vorgehensweise in seiner Gemeinde und auch welche Präferenzen einzusetzen sind. Aber ist das wirklich so? Mag sein, daß die Zuhörer zu einigen Punkten  Empfehlungen geben können, was auch nicht verkehrt wäre, aber dies muß sachlich, behutsam und ohne Emotion durchgeführt werden.

Wenn man an dieser Regel festhält, dann erreicht man mehr bei gemeinsamen Programmen, Projekten und Glauben. Wenn eine Seite eine Art Diktat empfindet, dann ist das gegenseitige Vertrauen kaputt und übrig bleiben gewöhnliche materielle Transfers.


2) Besuche:

Betrachtet man die gegenseitigen Besuche und die daraus resultierende Begeisterung der Gemeindeglieder auf beiden Seiten, dann muß man nur sagen „weiter so!!“. 

Begegnung ist eine der wichtigsten Säulen der Partnerschaft, um einander zu verstehen und auf einander zugehen zu können, ist die Begegnung eine wichtige Notwendigkeit. Aufgrund der riesigen Entfernung  sind große Geldsummen für diese Begegnungen erforderlich und leider muß der reichere Partner dafür gerade stehen. Viele hier werden einwenden: 

Es ist doch sinnvoller das Geld für die Begegnung den ärmeren Partnern  direkt zu geben, um deren Not zu lindern, anstatt herumzureisen und unseren Brüdern und Schwestern noch das Wenige wegzuessen und die Not noch größer zu machen? 

Können wir Euch oder euren Partnern den Kulturschock zumuten?? Die Strapazen der Reise auf den schlechten Straßen, Malaria, das Essen, Wasser, hygienische Verhältnisse, Kultur und die Sprache? Oder umgedreht, den Wohlstand, das Essen, die Kultur und Lebensweise, die freizügige Kleidung der Frauen, Freizeit (was ist das), die Sprache, die Gottesdienste (kurz), Jugend, Alkoholkonsum auch bei kirchlichen Veranstaltungen und in christlichen Familien?

All dieses läßt sich nur durch Reden miteinander verständlich machen. Deshalb sind persönliche Begegnungen absolut wichtig und haben unter Umständen Vorrang vor einem Projekt.

Wie kommt eine Begegnung zustande? Wer fährt hin, wer soll herkommen?

Welche Rolle spielen die Hierarchien in den Partnerschaftsausschüssen?

Hier wie dort sind die Männer in den Partnerschaftsausschüssen meistens sehr stark vertreten. Werden dadurch die Frauen benachteiligt? Die Erfahrung hat gezeigt, daß durch die Entwicklung der Partnerschaft der Austausch von Frauen sehr stark vertreten  ist. Es ist möglich geworden, durch eine gesunde Entwicklung der Partnerschaft. 

Was machen z.B. die Frauen mit ihren kleinen Kindern, wenn sie reisen?

Da die Kinder in Tanzania in Großfamilien aufwachsen, ist die ausschließliche Bindung an die Mutter nicht so groß, wie in Deutschland und dadurch ist es leichter für die tanzanische Frau zu reisen, auch wenn sie Kleinkinder hat. Aber wie verhält sich der Mann, auch wenn er mit der Reise einverstanden war. Nimmt er die Erfahrungen der Begegnung hin und akzeptiert Neuerungen? 

Liebe Freunde, bei allen Begegnungen erfährt man Positives und Negatives, was man mit seinem Partner anschließend erörtern würde und das Verständnis wäre vielleicht besser, wenn man die Erfahrungen gemeinsam machen könnte.

Am Beispiel Töpferei vermute ich, daß die Männer den Sinn dieses Vorhabens noch nicht verstanden haben und daher stärken sie ihren Frauen nicht den Rücken. Würden sie es verstehen, würden sie ihre Frauen unterstützen und das Projekt würde erfolgreich. Hier werden wieder viele Frauen sagen „typisch Mann, alles müssen sie entscheiden“. Leider sind die patriarchalischen Gefüge in beiden Gesellschaften noch sehr stark vorhanden, besonders in ländlichen Gebieten. Deshalb ist es wichtig die Männer mit einzubeziehen, auch wenn es sich um häusliche und gesellschaftliche  Belange handelt.


3) Private Kontakte innerhalb und außerhalb der Partnerschaft

Kann und darf man als Missionsbeauftragte/er private Kontakte innerhalb und außerhalb der Partnerschaftsgemeinden pflegen? Persönlich meine ich, daß man das nicht ausschließen kann und soll, denn hier kann man einige Informationen und Anregungen bekommen, die man in der Regel offiziell, aufgrund der Mentalität,  nicht erfahren würde. Je vertrauter man miteinander ist, desto mehr öffnet man sich dem Partner und spricht über wirkliche Probleme. Allerdings bei Schenkungen ist Vorsicht geboten, denn wenn man z.B. 2 Kinder hat und jedem einen Teller hinstellt, schielt jedes Kind auf den Teller des anderen, warum wohl?, weil jedes glaubt, daß der Andere bevorzugt wurde. So ist es auch bei den Erwachsenen. Persönliche Geschenke - ja, aber bitte mit Augenmaß, wohlgemerkt, keine europäischen Maßstäbe, wodurch Neid geschürt wird.  Neid ist eine menschliche Eigenschaft  mit der jeder Einzelne fertig werden muß. 

Das 10. Gebot sagt uns:“ Gönne deinem  Nächsten was er hat“. Wenn man sich dieses vor Augen hält, wird man mit Neid leichter fertig.“ Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ sagt ein Sprichwort, aber wirklich nur kleine!

Was anderes ist es, wenn ich z. B. Schulgeld schenke, dann entlaste ich meine Partner persönlich, aber mache für die Familie und die Gesellschaft eine langfristige Investition. 


4) Sorgen:

Es ist legitim, wenn Freunde und Partner die Sorgen des Anderen teilen:

Wie soll es wirtschaftlich weitergehen in Tansania, in Makambako, in Konde, in Njombe usw.?

Wie soll es weitergehen mit dem Bevölkerungswachstum ?

Und viele andere Fragen.

Umdenken, liebe Freunde, kann nur effektiv durch die Betroffenen selbst gemacht werden. Die Wirtschaftszwänge werden die meisten Probleme lösen. Eine schnellere Lösung erwartet man im Schulwesen. Bis zur 7. Klasse haben die Eltern noch viel Freude an den vielen Kindern (bis dahin kostet die Schule nicht viel), aber dann heißt es zum größten Teil  entweder auf die Straße oder an die privaten und teueren  Sekundarschulen. Ich kann Euch versichern, daß viele Eltern sich dann wünschten, sie hätten nicht so viele Kinder. Das spricht sich herum, und so glaube ich, daß die Generationen des besseren Wissens, sowohl wirtschaftlich als auch in der Frage der Familiengröße beweisen werden, wo sie Veränderungen vornehmen müssen.

Wenn alles zu glatt geht, dann wird es zur Selbstverständlichkeit, aber einige Hürden erwecken Neugier etwas Neues zu lernen.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit, Gott möge Euch die Kraft geben, die Partnerschaft mit Liebe und Verständnis weiterzuführen. 

Alles Gute! 

Reginald Temu

München, den 18.01.1997

Weiterer Beitrag über Herrn Temu:

„Habari?“ – „Nzuri!“

Reginald Temu aus Tansania lehrt an der Münchner LMU Kiswahili – 
und hat auch die Schauspieler von „Nirgendwo in Afrika“ unterrichtet
Bericht Süddeutsche Zeitung  vom 25. April 2003 über Reginald Temu  - von Nadeschda Scharfenberg

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